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Lesen als Führungsinstrument: Was Romane ermöglichen und Fachbücher nicht leisten

„Wenn Sie wirklich etwas lernen wollen im Leben, lesen Sie Romane – nicht Fachbücher.“ Diesen Satz hat mein Lateinprofessor an der Uni einmal gesagt. Er war ein besonderer Typ: rote, wilde Haare, ein theatralischer Auftritt, scharfer Geist. Seine Seminare waren selten trocken – und nie ohne ein Learning fürs Leben. Dieser eine Satz ist mir bis heute im Kopf geblieben. Und ich gebe ihn oft weiter. Nicht, weil Fachbücher unwichtig wären.
Sondern weil Führung mehr braucht als Wissen über Methoden, Modelle und Tools.

Führung beginnt nicht bei Konzepten, sondern bei Menschen

Fachbücher über Leadership, Change oder Organisationsentwicklung sind wichtig. Sie geben Struktur, Sprache, Orientierung. Aber sie haben eine Grenze. Denn Führung ist kein rein rationales Geschehen. Sie findet in Beziehungen statt – zwischen Menschen mit Biografien, Erwartungen, Ängsten, Hoffnungen und Widersprüchen.

Wer führen will, muss nicht nur verstehen, was zu tun ist, sondern auch, wie sich Dinge für andere anfühlen.

Und genau hier leisten Romane etwas, das kein Fachbuch kann.

Was Romane Führungskräften beibringen

Romane zwingen uns, langsamer zu werden.
Sie lassen uns in andere Perspektiven eintauchen – ohne sofort zu bewerten oder zu lösen.

Sie helfen uns:

  • Ambivalenz auszuhalten
  • Komplexität nicht vorschnell zu vereinfachen
  • Emotionen wahrzunehmen, ohne sie wegzuerklären
  • Menschen nicht auf Rollen oder Funktionen zu reduzieren

Kurz: Sie trainieren etwas, das in Führung entscheidend ist – Empathie und Perspektivwechsel.

Nicht als Technik, sondern als innere Haltung.

Zwei Bücher, die mich zuletzt besonders begleitet haben

Es gibt Bücher, die liest man – und legt sie dann weg. Und es gibt Bücher, die bleiben. Zwei Romane haben mich in letzter Zeit besonders beschäftigt: »Dschinns« von Fatma Aydemir Eine zerrissene Familie zwischen Herkunft, Erwartungen, Brüchen und Aufbruch. Multiperspektivisch, schonungslos, feinfühlig. Ein Buch über das, was zwischen Generationen weitergegeben wird – und was unausgesprochen bleibt.


»Fremd« von Michel Friedman, eine eindringliche Erzählung über Fremdheit, Identität und Zugehörigkeit. Und darüber, wie aus biografischer Erfahrung Haltung entstehen kann. Beide Bücher haben nichts mit Führung im klassischen Sinne zu tun. Und doch liefern sie genau das, was in vielen Trainings und Fachtexten fehlt.

Was diese Bücher mit Führung zu tun haben

Sie erinnern daran, dass Menschen nie nur das sind, was sie im beruflichen Kontext zeigen. Dass hinter Verhalten Geschichten stehen. Dass Widerstand, Rückzug oder Härte oft einen Ursprung haben. Vielleicht haben mich diese Bücher auch deshalb berührt, weil ich mich in Teilen selbst wiedergefunden habe. Vor allem aber haben sie meinen Blick geschärft für das, was bei anderen Menschen hinter der Fassade steckt.

Und genau das ist für Führung zentral.


Führung heißt: Menschen sehen

Wer Menschen führen will, muss sie zuerst sehen. Nicht nur ihre Leistung, nicht nur ihre Rolle, nicht nur ihre Funktion. Sondern ihre Perspektive. Ihre Brüche. Ihre innere Logik. Romane sind kein Ersatz für Führungsausbildung. Aber sie sind eine stille, wirksame Ergänzung. Sie erinnern uns daran, dass gute Führung nicht dort entsteht, wo alles erklärt ist – sondern dort, wo wir bereit sind, genauer hinzuschauen.


About the Author Mo Hamid

Mein Name ist Mo, ich bin Coach und Organisationsentwickler mit Philosophie-Background und Erfahrung im Leadership internationaler Unternehmen. Ich unterstütze Leader, Teams und Organisationen dabei, sich weiterzuentwickeln und den eigenen Weg zum Erfolg zu gehen.
Mein Purpose: Eine lebenswerte Arbeitswelt gestalten.

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